Bericht über die Tagung 2008 in Klagenfurt

Aus NNVM (Netzwerk der Naturwissenschaftlichen Vereinigungen in Mitteleuropa)
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Bericht über die dritte Jahrestagung des NNVM 12.-14. September 2008 in Klagenfurt
Von Dr. Volker Münchau

Wegen der weiten Anreise nach Klagenfurt trafen wir uns zur Jahrestagung 2008 bereits am Donnerstag den 11.09.2008 fast alle im gleichen Hotel.

Freitag, 12.09.2008

Der Lenkungskreis besprach am Vormittag den Ablauf der Tagung und die künftige Arbeitsteilung. Diese Gelegenheit nutzen die mitgereisten Damen das (noch) schöne, warme Wetter zu einem ersten Schnupperbummel. Um 18 Uhr lud Herr Dr. Odo Miklautz uns am Theater zu einem stadthistorischen Rundgang ein. Die erste kleine Innenstadt von Klagenfurt wurde nach einem Brand im Renaissance-Stil umgestaltet und erweitert. Ein Grüngürtel zeichnet die ehemaligen Befestigungsanlagen nach.

Zahlreiche Durchgänge durch die Enge Innenstadt gestatten immer wieder Einblicke in oft schmucke Innenhöfe. Diese Durchgänge machen die enge Innenstadt sehr durchlässig.

Bald kündigen erste Tropfen den vorhergesagten Wetterwechsel an. Am Alten Platz beendet das Wetter mit Regen und einem Temperatursturz um 14 °C vorzeitig die Stadtführung.

BILD

Das Landhaus Klagenfurt mit dem Großen Wappensaal und dem Sitzungssaal des Landesparlamentes

Bei einem gemeinsamen Abendessen in der „Hirter Botschaft” begrüßen uns der Präsident, Herr Mag. Dr. Helmut Zwander, in Begleitung der Vizepräsidenten, Herr Dr. Wiedner und Herr Universitäts-Professor. Dr. Franz Walter, sowie weitere führende Mitglieder (u.a. Prof. Dr. Hartl) des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten ganz herzlich.

Samstag, der 13.09.2008

Die gemeinsame Tagung mit dem Naturwissenschaftlichen Verein für Kärnten begann mit einer PowerPoint-Präsentation Herrn Prof. Dr. P. Finkes zu den Aufgaben und Erfolgen der bisherigen Arbeit und gibt einen Ausblick auf künftige Ziele des NNVM. Modellhaft wird eine Kopie der Homepage (NNVM.ORG) vorgeführt und die nun möglichen Ergänzungen und Neuerungen (Berichte, Aufrufe zu Tagungen, Bilder) vorgestellt. Bedauerlich ist die bisher geringe Mitarbeit der Vereine. In der Homepage stellen sich die Vereine selbst dar. Diese Daten veralten mit der Zeit und geben dann ein schlechtes Bild des Vereins. Mit einem Passwort - es wird leider in zu geringem Umfang abgerufen - können und müssen die Vereine ihre Daten selbst pflegen. Der Lenkungskreis besteht nur aus zur Zeit vier ehrenamtlichen Mitgliedern und kann unmöglich mehrmals im Jahr die in der Homepage aufgeführten über 100 Vereine nach Änderungen durchsuchen. Hierauf wird in einer der nächsten Info-Post hingewiesen werden.

In der Aussprache wird auch die Zukunft des NNVM angesprochen. Die finanzielle Ausstattung besteht nach Schaffung der Homepage nur in dem Restvermögen des Vorläufers DNVD (Dachverband der Naturwissenschaftlichen Vereine Deutschlands). Da keine Beiträge erhoben werden, wird die gesamte Information ausschließlich über Internet mit Info-Mitteilungen und Email sichergestellt. Die Anregung von Herrn Dr. Hartl, von jedem Verein jährlich 10 €uro zu erbitten, wird zustimmend aufgenommen. Mit Kinderexkursionen konnte der NWV nach Herrn Dr. Walter den Bekanntheitsgrad und damit die Mitgliederzahl steigern. Vielleicht sollte die Homepage eine Kinderseite enthalten. Herr Dr. Wiedner regt an, Veranstaltungen gemeinsam mit Schulen und anderen Vereinen (z. B. NABU, gewässerkundliche Gruppen, Alpenverein …) durchzuführen.

Herr Rathke bietet an, die nächste Tagung vom 11.-13. September in Mageburg auszurichten und hat hierzu zahlreiche Vorschläge. Diese sollen zusammenfaßt den Vereinen mit Info-Post zugeleitet werden, damit alle naturwiss. Vereine eingebunden werden und das Angebot diskutieren können. Zum Schluß stellen sich die Mitglieder des Lenkungskreises zur Wahl und werden mangels weiterer Vorschläge wiedergewählt. Ein weiterer Wahlgang bestätigt das Angebot von Herrn Dr. Tenbergen, Münster (Westf), im Lenkungskreis mitzuwirken. Herr Pfaffl aus Zwiesel möchte seine Mitarbeit im Lenkungskreis beenden. Herr Dr. Finke dankt Herrn Pfaffl in dessen Abwesenheit für seine Unterstützung.

Danach können wir uns von der anstrengenden Sitzung bei einem Imbiss im Landesmuseum für Kärnten erholen.

Das Programm wird mit einem Rundgang durch die neue Schmetterlingssammlung - wegen der frei fliegenden Schmetterlinge tropisch warm - und einer Darstellung der Lebensweise des Fuchses fortgesetzt. Frau Dr. Cornelia Bockrath erläutert die vor kurzem eröffneten Ausstellung „Himmelssteine„ mit gut gestalteten Schautafeln, Nachbildungen und Original-Meteoriten.

Der nächste Programmpunkt führt uns hinaus in die Natur. Bei einer Seen-Rundfahrt mit dem Bus zu den Kärntner Seen (Wörthersee, Ossiacher See, Lengssee) sprechen Herr Thomas Friedl und am Lengssee Herr Dr. Wolfgang Honsig-Erlenburg über Wassergüte, Wasserschichtung, -Erneuerung, Temperatur, Fischbesatz, Rekultivierung und vieles mehr. Dazu wurde der etwa 60 m hohe Turm auf dem Pyramidenkogel mit dem Fahrstuhl erklommen. Vor hier oben öffnet sich ein Rundblick über den Wörthersee, der bei besserem Wetter sicher noch schöner gewesen wäre. Doch hier oben war es bei kräftigem Wind feucht und kalt.

Im Kloster am Lengssee hatten wir Gelegenheit, uns mit einer Tasse Kaffe und einem Stück Kuchen zu stärken. Dazu spielte im Nachbarraum eine Blaskapelle zu einer Hochzeit auf. Der Regen wurde nun schwächer. Gegen Abend machte der Sonnabend seinem Namen endlich alle Ehre, es zeigte sich (hinter Wolken zaghaft) die Abendsonne und der Regen wendete sich ab.

(G.W.Meyer.)

Sonntag, der 14. September 2008

Der Naturwissenschaftliche Verein für Kärnten, Klagenfurt, hatte ein sehr interessantes Exkursionsprogramm vorbereitet. Eine “Dreiländerfahrt”: Kärnten (Dobratsch und Schütt); Italien (Friaul/Julisch-Venetien, Weißenfelser-Seen); Slowenien (Savequelle, Vintgar-Schlucht).

Geführt wurden wir von Frau Dr. Cornelia Bockrath, Geologin, und Herrn Mag. Dr. Helmut Zwander, ein Biologe mit tiefgründiger Kenntnis der Geologie. Der Schwerpunkt dieser Exkursion lag auf den geologischen Besonderheiten der Exkursionsziele. Europa beginnt im Norden, das ist sicher. Aber wo endet es? Von der afrikanischen Platte gelöste Kleinschollen sind in die europäische Platte eingelagert. Die europäische, die adriatische und die pannonische Platte stoßen in Kärnten aufeinander. Dieses Durcheinander macht das Gebiet für den Geologen so interessant und für den Laien bei guter geologischer Führung so staunenswert.

Das erste Ziel war das Dobratschmassiv. Seit 2002 ist es der erste Naturpark Österreichs. Der Dobratsch, ein tektonisches Fenster, passt nicht in die Ostregion sondern in die Südregion Kärntens. Die Gipfelschollen bestehen aus Gesteinen der oberen Permzeit, also etwa 245 Millionen Jahre alt. Die unteren Schichten sind jüngeres Material - aus der unteren Trias. Ton, Kalke, eingestreute Gipshorizonte, Korallenriffe. Also eine typische Überschiebung der Schichten. Das ältere oben, das Jüngere unten.

Leider konnten wir weder von den botanischen noch von den geologischen Besonderheiten etwas sehen. In dichten Nebel eingehüllt konnten wir nur den Erklärungen Herrn Mag. Robert Heubergers, zuständig für den Naturschutz, folgen. Von der Vogelbeobachtungsstation und der Aussichtsplattform, die hunderte Meter hoch an einer Steilwand befestigt sind, konnte Herr Heuberger vom Zug der Wespenbussarde berichten, die sich hier in Massen versammeln. Wir konnten leider nicht einmal das Kribbeln in der Magengegend feststellen, wenn man auf einem Gitterrost in schwindelnder Höhe steht. Unter uns nichts - nichts als Nebel.

Weiter ging es zur Schütt, dem ältesten Naturschutzgebiet Kärntens (seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts). Die Schütt am Fuße des Dobratsch ist im 14en Jahrhundert durch einen gewaltigen Bergrutsch entstanden. Sie ist jetzt ein Rückzugsgebiet für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten, wie Saphireidechsen und Manna-Eschen.

Über die Drau ging es entlang der Autobahn nach Italien. Ein Gebiet, das nach 1918 von Italien annektiert wurde. Der Ort Predil (das ehemalige Raibl lebt im geologischen Begriff der Raibler Schichten noch heute weiter) mit seinem stillgelegten Blei- und Zinkbergbau machte einen sehr heruntergekommenen Eindruck. Ein Denkmal zeigte die Stelle, an der vor 1914 das Spital der Erzhütte samt Insassen in Sekunden im Boden versunken ist. Nur ein Mensch konnte sich durch einen Sprung aus dem Fenster retten.

Im Rio Freddo führte uns Herr Dr. Zwander eindrucksvoll das Auseinanderdriften von Pangea am Ende des Perm, Beginn der Trias vor Augen. Während des Perm/Trias-Überganges erwärmte sich das Klima. Die Ozeane überfluteten weite Teile Pangeas mit der Folge einer starken Sedimentation von Kalk und Kalkgehäusen der Foraminiferen. Dann verstärkte sich der Vulkanismus. Zwischen die weißen Kalksedimente wurden Tiefengesteine geschleudert. Wo können Nichtgeologen so eindrucksvoll geologische Umbrüche und die Ursachen für das Auseinanderdriften Pangeas demonstriert werden?

Weiter ging es zu den Weißenfelserseen. Ein riesiger “erratischer” Findling mit über 20 Meter steil aufragender Front, transportiert durch Gletscher aus den Julischen Alpen in die Nähe des unteren Sees erregte das Staunen der Teilnehmer. Eine Besonderheit konnte am oberen See gezeigt werden. Der See befindet sich in einem Kessel. Kalte Luft kann nicht abfließen. Warme Schichten überlagern die kalten. Die biologische Besonderheit: Der See wird von Fichten umrandet. Buchen schließen in höheren Lagen an, wegen der Frostempfindlichkeit der Buchen eine Umkehr der sonst üblichen Vegetationsfolge.

Und noch eine Besonderheit. Eine Mutation führte zu den “Klangfichten” des Weißenfelser Tales. Die Maserung dieser Fichten ist wellenförmig. Dieses Holz gibt den Streichinstrumenten ihren wundervollen Klang. Schon Stradivari wusste dieses Holz zu nutzen.

Nach einem köstlichen Mal, das uns der Naturwissenschaftliche Verein in dem jugoslawischen Örtchen Ratschach servieren ließ besichtigten wir die “Save”-Quellen bei Ratece. Das Quellwasser stammt aus dem Planica-Tal und bildet bei Ratece zeitweise einen See. Das Wasser fließt unterirdisch weiter Richtung Osten. Bei Podkoren trifft es auf einen Schwemmkegel, der den Weiterfluss behindert - das Grundwasser quillt aus vielen kleinen, trichterförmigen Quellen (”Tumpfi”) aus dem Boden.

Den Abschluß dieser interessanten Exkursion bildete eine Wanderung in der Vintgar-Schlucht. Die “Vintgar-Schlucht” wurde vom Fluß “Radovna” erzeugt. Die Radovna mündete ursprünglich bei Bled in die Wocheiner-Save. Während der Würm-Vereisung blockierte der Wocheimer Gletscher den Zufluss in die Wocheiner-Save und die Radovna wurde nach Norden abgelenkt und floss über einen Sattel in die Save-Dolinka. Als Folge einer relativ großen Fallhöhe konnte die Radovna in kurzer Zeit im Kalkhang eine schmale und tiefe Klamm auswaschen (1,5 km lang, bis zu 300 m tief). Es bildeten sich viele kleine Wasserfälle, Stromschnellen und Kolke. 1893 wurde ein Weg mit Holzbrücken und Galerien errichtet. Heute ist die Vintgar-Schlucht auf Grund der interessanten Flora und der landschaftlichen Schönheit eine Aussenstelle des Nationalparks Triglav.

Montag, der 15. September 2008

Für die Teilnehmer der Jahrestagung des NNVM, die die Tagung außerdem zu einem Kurzurlaub im schönen Kärnten nutzen wollten, bot der Naturwissenschaftliche Verein noch ein Zusatz-Exkursion an: Herr Professor Dr. Walter von der Universität Graz und Frau Dr. Cornelia Bockrath, Landesmuseum Klagenfurt, beides Geologen, führten uns in Radenthein, Nähe Spittal/Drau durch das Granatium, einem Museum zum Thema Granat-Bergbau, -Gewinnung. Professor Walter, in dieser Gegend aufgewachsen und Geologe konnte uns spannend in die Geschichte des Bergbaus einführen.

Als kulturelle Einlage wurde das Stift Millstatt (am Millstättersee) besichtigt. 1070 als Benediktinerkloster gegründet besitzt es eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit Kreuzgang. Es erhielt gotische und barocke Zubauten. Höchstwahrscheinlich entstand hier um 12. Hundert die erste deutschsprachige Dichtung auf österreichischem Boden: Die Millstätter Genesis.Zum Abschluss besuchten wir das Maltatal. Mit Gneisen beginnt hier das Tauernfenster. Die Erklärungen zum geologischen Aufbau und der Geschichte der das Maltatal einschließenden Höhenzüge machten die Wanderung interessanter als ein Spaziergang im normalen Urlaub es je sein könnte. Der Rückweg entlang der „Wasserspiele” bildete einen wundervollen Abschluss des Tages und der Tagung.

Ein Dank dem Naturwissenschaftlichen Verein für Kärnten für die Ausrichtung dieser Jahrestagung des NNVM und den Mitgliedern, die sich in so herzlicher Art für uns engagiert haben. Mit ihrer Fülle von Informationen und Einsichten bleibt dieses Treffen für viele Jahre unvergesslich.

Quelle: https://nnvm.eu/web/Bericht_über_die_Tagung_2008_in_Klagenfurt